Wie läuft eine Reha-Maßnahme bei COVID-19-Patient:innen ab? Welche Therapien und Anwendungen werden durchgeführt?

Eine COVID-19-Erkrankung kann unterschiedliche, länger anhaltende Beschwerden hervorrufen. So kann es z. B. zu kardiologischen, neurologischen, pneumologischen und/oder psychologischen Beeinträchtigungen kommen: z. B. schnelle Erschöpfung bei Belastungen, Muskelschwäche, Kurzatmigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen und andauernde Müdigkeit (Fatigue).

Dementsprechend kommt je nach Krankheitsverlauf eine breite Palette an Reha-Maßnahmen infrage, z. B. Ausdauer- und Krafttraining, Physiotherapie, Atemphysiotherapie oder auch psychotherapeutische Unterstützung.

Weitere Informationen zur Reha nach COVID-19 bietet die Deutsche Rentenversicherung.

Kommt eine Reha-Maßnahme für mich infrage?

Der Begriff „Rehabilitation“ (kurz: „Reha“) steht für Maßnahmen, die zur Gesundheitsförderung beitragen, um eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu ermöglichen. Bei erwachsenen Patient:innen besteht das Ziel einer Reha häufig darin, dass kranke Menschen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren oder in einen anderen Beruf einsteigen können.

Man unterscheidet berufliche und medizinische Rehabilitation. Zur beruflichen Rehabilitation gehören z. B. Leistungen für eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes oder Qualifizierungsmaßnahmen (Umschulungen), damit Menschen trotz Krankheit weiterhin arbeiten können. Medizinische Rehabilitation ist auf die Erhaltung oder Verbesserung des Gesundheitszustands ausgerichtet.

Bei einem schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung können medizinische Reha-Maßnahmen z. B. nach stationären Krankenhausaufenthalten sinnvoll ein, um die Gesundheit der Patienten zu stärken, damit sie in ihren Alltag zurückkehren können.

Wenn Sie sich fragen, ob eine Reha-Maßnahme für Sie infrage kommt, sollten Sie sich an Ihren behandelnden Arzt/Ihre Ärztin wenden. Er/sie kann gemeinsam mit Ihnen überlegen, ob eine Reha-Maßnahme sinnvoll ist und welche Rehaklinik dazu möglicherweise infrage kommt.

Ob eine Reha-Maßnahme bewilligt wird, hängt u. a. von der Art der Erkrankung ab und von den voraussichtlichen Auswirkungen auf eine spätere Berufstätigkeit.

Die Träger von Reha-Maßnahmen sind in der Regel die Deutsche Rentenversicherung oder die gesetzlichen Krankenkassen.

Weitere Informationen zu Reha-Maßnahmen bietet die Deutsche Rentenversicherung.

Wie kann ich herausfinden, ob es eine klinische Studie gibt, die für mich infrage kommt?

Es gibt verschiedene Internetportale, die auf die neuesten klinischen Studien hinweisen. Ob diese Studien für Ihre jeweilige Situation passen, sollten Sie mit den behandelnden Ärzt:innen besprechen. Sie können sich aber auch direkt mit dem Studienzentrum in Verbindung setzen, um sich über eine mögliche Studienteilnahme zu informieren.

Hilfe bei der Suche nach klinischen Studien bieten das Deutsche Register Klinischer Studien (DRKS) und die europäische Internetdatenbank EU Clinical Trials Register.

Was sind klinische Studien und was sollte man darüber wissen?

Klinische Studien sind ein wichtiger Teil der medizinischen Forschung. In klinischen Studien wird geprüft, ob neue Therapien wirksam, sicher, gut verträglich und womöglich besser als die Standardtherapie sind. Klinische Studien unterliegen einer besonderen Überwachung, u. a. durch Bundes- und Landesbehörden.

Durch die Teilnahme an einer klinischen Studie kann man einen Zugang zu den neuesten Medikamenten oder therapeutischen Ansätzen bekommen. Die Teilnahme an einer Studie bedeutet aber häufig auch, dass man sich einer Behandlung unterzieht, über die begrenztes Wissen vorliegt. Deshalb werden die Studien in der Regel durch spezialisierte medizinische Zentren und sogenannte Prüfärzte durchgeführt.

Bevor Sie an einer klinischen Studie teilnehmen, sollten Sie sich gründlich informieren und die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen.

Weitere Informationen zu klinischen Studien finden Sie beim Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa).

Welche Hausmittel helfen bei einer SARS-CoV-2-Infektion? Was kann ich zusätzlich zu den Medikamenten noch tun?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Sie nutzen können, um zusätzlich zur medikamentösen Therapie etwas für sich zu tun und die eigene Genesung zu fördern und zu unterstützen.

Achten Sie auf ausreichend Schlaf, und trinken Sie viel Tee oder Wasser.

Bei Symptomen wie Husten und Schnupfen kann das Inhalieren von heißem Wasserdampf helfen, die Beschwerden zu lindern. Geben Sie dazu einen Löffel Kochsalz in eine Schüssel mit heißem Wasser und inhalieren Sie den aufsteigenden Dampf oder benutzen Sie ein Inhaliergerät.

Je nach Krankheitsverlauf und individueller Symptomatik kann es ratsam sein, sich nach den Möglichkeiten für eine Reha-Maßnahme zu erkundigen. Eine Reha kann nach einem schweren Krankheitsverlauf dazu beitragen, körperliche und psychische Probleme in den Griff zu bekommen, die infolge einer COVID‑19-Erkrankung entstehen können.

Alternativ können Sie überlegen, ob Sie eine Atemphysiotherapie oder ein gezieltes Ausdauertraining starten, um Lungenfunktion und Fitness zu stärken.

Fragen Sie Ihre behandelnden Ärzt:innen nach diesen und weiteren Möglichkeiten, die Therapie durch ergänzende Maßnahmen zu unterstützen. Das medizinische Personal kann Sie beraten und gemeinsam mit Ihnen überlegen, welche Maßnahmen infrage kommen.

Wie kann Long-COVID behandelt werden?

Die Behandlung von Long-COVID richtet sich nach den vorhandenen Beschwerden.

Das Ziel der Behandlung besteht darin, den Gesundheitszustand zu verbessern und zu vermeiden, dass die vorhandenen Beschwerden chronisch werden. Wenn eine Fatigue-Symptomatik (Müdigkeit, Erschöpfung, mangelnde Belastbarkeit) mehrere Monate anhält, kann sich daraus ein chronisches Fatigue-Syndrom entwickeln.

Je nach Verlauf können unterschiedliche Behandlungsoptionen infrage kommen:

  • Schmerztherapie
  • psychotherapeutische Unterstützung, Anleitung zur Entspannung
  • Bewegungstherapie, Physiotraining, Fitnesstraining
  • spezielle Therapieprogramme mit Kombination von neuropsychologischem Training und Entspannungsübungen

Zudem kann eine fachärztliche Behandlung notwendig sein, wenn bestimmte Organe und/oder Organsysteme in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Auch eine psychotherapeutische Begleitung ist häufig notwendig, da Long-COVID in vielen Fällen Depressionen und Zukunftsängste verursacht.

Auch eine ambulante oder stationäre Reha-Maßnahme kann dazu beitragen, den Gesundheitszustand zu verbessern.

Weitere Informationen zu Long-COVID und Post-COVID finden Sie in einer entsprechenden Patientenleitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), auf gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Welche Spätfolgen können nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten?

Eine COVID-19-Erkrankung kann unterschiedliche, länger anhaltende Beschwerden hervorrufen. So können z. B. kardiologische, neurologische, pneumologische und/oder psychologische Beeinträchtigungen auftreten.

Häufig kommt es zu:

  • Atemnot und schneller Erschöpfung bei körperlicher Belastung,
  • schneller Erschöpfung auch bei geistiger (kognitiver) Arbeit,
  • vielfältigen neuropsychologischen Störungen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Wahrnehmungsproblemen oder Gedächtnisstörungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns oder
  • andauernder Müdigkeit (auch Fatigue genannt).

Weitere mögliche Spätfolgen sind:

  • Muskel- und Gliederschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • depressive Verstimmungen und Ängste,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Herzrasen, Herzstolpern,
  • Haarausfall,
  • Magen-Darm-Beschwerden sowie
  • Stoffwechselprobleme (Nahrungsaufnahme und -verwertung)..

Wenn die Beschwerden drei Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion noch vorhanden sind und länger als zwei Monate andauern, spricht man von Long-COVID bzw. Post-COVID.

Es wird geschätzt, dass ca. 15 % der Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren, später von Long-COVID betroffen sind. Auch bei Kindern und Jugendlichen kann es zu länger anhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Die genauen Ursachen sind bisher noch unklar. Bei einem schweren Krankheitsverlauf ist das Risiko höher als bei einem milden Verlauf.

Die Behandlung von Long-COVID stellt Ärzt:innen und Patient:innen vor besondere Herausforderungen. Wenn eine Fatigue-Symptomatik (Müdigkeit, Erschöpfung, mangelnde Belastbarkeit) mehrere Monate anhält, kann sich daraus ein chronisches Fatigue-Syndrom entwickeln.

Weitere Informationen zu Long-COVID und Post-COVID finden Sie in einer entsprechenden Patientenleitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), auf gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Welche Entspannungsverfahren können helfen, die Folgen der Erkrankung besser zu bewältigen?

Viele Menschen nutzen Entspannungsverfahren, um die innere Unruhe und Anspannung abzubauen, die im Kontext einer Erkrankung entstehen können. Dabei gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, z. B. Yoga, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Atem- oder Achtsamkeitsübungen.

Für einen ersten Einstieg in Entspannungsmethoden können Sie sich Video-Tutorials im Internet anschauen. Probieren Sie aus, was Ihnen am besten gefällt und was Ihnen guttut. Auch Sportvereine und Volkshochschulen bieten passende Kurse an.

Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis nach diesen und weiteren Möglichkeiten, die Therapie durch ergänzende Maßnahmen zu unterstützen. Lassen Sie sich beraten und informieren Sie sich, welche Maßnahmen infrage kommen.

Vielleicht möchten Sie sich dazu auch mit anderen Betroffenen austauschen? In vielen Städten sind in der Pandemie Corona-Selbsthilfeangebote entstanden, die eine Möglichkeit zur Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch bieten.

Wo finden Menschen Hilfe, die wegen der Coronapandemie Ängste oder Depressionen entwickeln?

Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen eine enorme psychische Belastung. Manche sind lange krank und finden nur mit Mühe zurück in den Alltag, andere haben große Angst, dass die Krankheit sie oder ihre Familie treffen könnte. Bei vielen macht sich zudem ein Gefühl der Einsamkeit breit, weil durch die Kontaktbeschränkungen soziale Kontakte und Alltagsroutinen weggebrochen sind.

Besonders stark belastet sind Kinder und junge Menschen sowie Menschen mit psychischen Vorerkrankungen.

Bei manchen äußert sich die psychische Belastung in eher unklaren Angstgedanken, andere reagieren mit Schlafstörungen oder körperlichen Symptomen wie Atemnot und Herzrasen. Es gibt aber Strategien, damit Ängste und negative Stimmungen nicht zu ständigen Begleitern werden.

Ein wichtiger erster Schritt ist dabei, negative Gefühle zu akzeptieren und auszusprechen. Verdrängen Sie sie nicht. Auch regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen können bei der Bewältigung von negativen Gefühlen helfen. Finden Sie heraus, welche Strategie für Sie die richtige ist. So lernen Sie mit Ihren negativen Emotionen umzugehen und gewinnen wieder an Lebensqualität.

Gegen soziale Isolation hilft es, die Kontakte zu anderen Menschen zu intensivieren. Dazu kann man auch sämtliche Möglichkeiten der Telefonie und Videotelefonie nutzen. Aktivieren Sie ruhig auch alte Kontakte. Melden Sie sich bei Menschen, die lange nichts mehr von Ihnen gehört haben. Soziale Verbundenheit hilft allen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie Ihre Sorgen und Ängste allein nicht in den Griff kriegen, gibt es viele Anlaufstellen, die Ihnen weiterhelfen können. Eine Übersicht mit weiterführenden Links finden Sie in unserer Rubrik „Unterstützung“. Viele Beratungsstellen bieten die Möglichkeit, sich telefonisch Rat zu holen. Man kann telemedizinische Angebote nutzen und sich per Videokonferenz oder Chat beraten lassen. Außerdem können Sie sich auch an Ihre Krankenkasse wenden und nach therapeutischen Möglichkeiten fragen. Auch Smartphone-Apps für die psychische Gesundheit können helfen.

Vielleicht sollten Sie auch überlegen, sich ärztlichen Rat zu holen. Bei Long-COVID kommt es häufig zu Zukunftsängsten und Depressionen, die eine psychotherapeutische Begleitung erfordern. Ihre behandelnden Ärzt:innen, z. B. in der Hausarztpraxis, können gemeinsam mit Ihnen schauen, ob eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll ist, und die weiteren Schritte mit Ihnen besprechen.

Wenn kurzfristig kein Psychotherapieplatz zur Verfügung steht, kann man sich an psychiatrische Ambulanzen von Kliniken wenden. Sie können zur Überbrückung, bis ein Therapieplatz verfügbar ist, auch E-Mental-Health-Programme nutzen, z. B. Apps zur psychotherapeutischen Unterstützung auf dem Smartphone. Viele Krankenkassen bieten Programme an, die ihre Versicherten kostenlos nutzen können.

Beim Institut für Psychologie der Universität Greifswald finden Sie Videos und andere Hilfestellungen zum Umgang mit Stimmungsschwankungen, Ängsten, Depressionen und Einsamkeit für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Beim Max-Planck-Institut für Psychiatrie können Sie einen Leitfaden mit weiteren Tipps und Übungen zur psychischen Gesundheit in Pandemiezeiten herunterladen.